Wir werden als fühlende Wesen geboren und fühlen von Anfang an alles. Die Fülle unserer Fühlebene ist die tiefste Seins-Ebene, die wir als Mensch haben.

Ich bin Maria Sanchez begegnet und sie hat mir die Augen für die revolutionäre Kraft des Fühlens geöffnet. Man spricht von psychischer Gesundheit, wenn wir „funktionieren“ und die Beziehung, die wir dabei zu uns selbst haben, wird nicht einmal berücksichtigt. Im Hipe der sogenannten „Selbstoptimierung“ schrauben wir ständig an uns herum und der innere Kritiker wird nicht leiser, sondern treibt uns immer weiter an. Wir glauben, das alles sei nur ein Thema des „richtigen Mindset“ und wir bräuchten nur positive Gedanken wie ein Zuckerguss über die innere Unruhe kippen, es wegatmen oder wegklopfen, eine Runde meditieren und alles sei gut. Wir wollen nicht traurig, wütend oder ängstlich sein, denn gesellschaftlich sind wir so geprägt, dass wir unsere Emotionen in den „Griff“ bekommen und unsere Probleme und Ängste nur überwinden müssen, bis wir hoffentlich wieder ins Bild und in die Norm passen.

Wie menschenfeindlich gehen wir mit den kostbaren Informationen unserer Emotionen um? Sie besitzen die Kraft, uns zu unserem befreiten Wesenskern zu führen und sie spielen eine bedeutende Schlüsselrolle auf unserem Heilungsweg.

 

Das geliebte und das ungeliebte Kind

Wenn wir in unsere Familie hinein geboren werden, repräsentiert sie die Welt für uns. Unsere Familie ist der erste Kontakt zur Welt. Das heißt, die Art und Weise wie wir in der Familie willkommen geheißen werden und wie wir sein dürfen, wie wir uns ausleben dürfen, ist prägend für unser Leben. Schon als Säugling passen wir uns instinktiv an. Es ist eine Meisterleistung, die wir vollbringen und sie prägt unser Ich-Empfinden. Wir bekommen ganz genau mit, welches Verhalten uns mit Liebe und Anerkennung versorgt und sprechen vom „geliebten Kind“. Emotionen, die wir lieber nicht zeigen sollten, machen uns hingegen zum „ungeliebten Kind“. Ohne diese Anpassung, würde die psychische Gesundheit, wenn nicht sogar, das Leben gefährdet. Wir wollen das geliebte Kind sein, weil wir auf diese weise sicherstellen, dass wir die Liebe und die Anerkennung bekommen, die wir dringend brauchen. Wenn ein Kind weint, hat es unter Umständen die Zuwendung nicht bekommen, die es braucht und wenn es leistet, bekommt es vom Vater oder der Mutter ganz viel Anerkennung und Zuspruch. Das bedeutet, dass ich die Seite in mir, die vielleicht Angst hat, nicht leisten zu können, verdrängen muss. Wir steigen in einen Kampf gegen uns selbst ein. Die Emotionen und Persönlichkeitsseiten, die wir besser nicht fühlen und ausdrücken sollten, wie z.B. Angst, Wut oder Traurigkeit, verdrängen wir oder packen sie später als erwachsener Mensch in selbstverurteilende Worte wie „wir müssen nur den inneren Schweinehund überwinden“. Die Antriebsfeder der Selbstoptimierung ist, dass wir unbewusst immer noch dem geliebten Kind folgen. Doch genau dadurch erhalten wir die Verwundungsschleife unserer Kindheit weiter am Laufen.

 

Der blinde Fleck

Das geliebte Kind kommt aus dem Überlebens- und Schutzprogramm unserer Kindheit. Dieses Schutzprogramm ist genial, wenn es nicht so viel Leid bringen würde. Es scheint so normal, mit uns im Kampf zu stehen. Die Selbstoptimierung ist salonfähig und nicht nur die Werbung baut gewieft darauf auf: wenn du erst das Auto hast, wenn du erst schlank bist, wenn du den Traumpartner hast, den Job, du so und so viele Klicks und Follower hast… Die Botschaft ist immer, transformiere dich und werde anders. Das geliebte Kind ist immer zielfixiert und glaubt, es muss erst geheilt, schlanker, reicher, erfolgreicher, noch mehr Wissen anhäufen oder erleuchtet sein. Wir hinterfragen nicht unser Wunschbild. Wenn die Wurzel der Motivation Angst und nicht Freude ist, dann können wir spüren, dass das geliebte Kind aus einer emotionalen Not handelt. Dieses Schutzprogramm, verbraucht enorm viel Energie. Wen wundert es, dass in dieser hohen Emotionsspannung, wir chronisch erschöpft sind und krank werden?

Die Psychologie beschäftigt sich üblicherweise mit dem ungeliebten Kind: die Angst muss behandelt werden, die Depression muss behandelt werden, die Beziehungsproblematik, die Essstörung… Wir ertappen uns dabei, wie wir der Vorstellung hinterherjagen: wir müssen uns besser fühlen, wir müssen uns positiv fühlen. Positives Denken ist jedoch häufig eine Pseudoakzeptanz, auf sehr dünnem Boden. Wir fragen uns selten, wer in uns will das denn eigentlich weghaben? Wir ergreifen viel zu schnell Partei, während das geliebte und ungeliebte Kind in einem Ping-Pong-Spiel gegeneinander kämpfen: du musst, ich kann nicht, du musst, ich kann nicht… Das Schutzprogramm lässt uns glauben, es gäbe nur schwarz oder weiß, entweder oder. Dabei gibt es ein UND. Wir wachen auf, wenn wir gewahr werden, wie manipulativ wir uns selbst gegenüber verhalten und geben jeder Seite in uns ein vollständiges Daseinsrecht. Das, was wirklich trägt, ist die Nähe und die Begegnung mit uns selbst. Der Emotionshahn, den wir einst für unerwünschte Gefühle zugedreht haben, darf Stück für Stück wieder aufgehen, damit die Lebendigkeit wieder in unser facettenreiches Menschsein hineinströmt. Die Spaltung von „positiven“ und „negativen“ Gefühlen verliert ihre Bedeutung, wenn wir erkennen, dass jede Emotion einen wertvollen Hinweis beinhaltet. Wir wurden nicht traurig geboren. Wir staunen über die pure Lebensfreude und Lebendigkeit von Kindern. Was ist passiert? Was hat unsere Energie plötzlich zum Stoppen gebracht?

 

Die revolutionäre Kraft des Fühlens

Die emotionale Selbstbegleitung ist eine Art inneres Navigationssystem. Dazu leitet Maria Sanchez in ihren Seminaren wirkungsvolle Übungen an. Wir decken die Positionen des geliebten und ungeliebten Kindes auf und fragen, welche Seite ist hier gerade vertreten? Die Sinne, die sonst nach außen gerichtet sind, nehmen wir nach innen und beginnen uns selbst zu fühlen. Wir kommen dorthin zurück, wo wir auf heilsame Weise in einen tiefen Kontakt mit uns selbst treten. Wir lernen die Sprache des inneren Körpers kennen und gehen an der Wunde, am Schmerz oder am Essensdruck entlang. Verdrängte Anteile und Emotionen können uns als Wegweiser zu ihrem Ursprung führen. Wir sind nicht zielorientiert und „machen“ aus einem traurigen Kind nun ein fröhliches Kind, denn dann sitzen wir ja wieder in der Falle, nur wieder etwas „weghaben“ zu wollen. Im Heilungsprozess entsteht eine neue Form von Lebendigkeit und Kontakt und ein tiefes Mitgefühl für dich selbst, dass du gar nicht irgendwie sein musst oder irgendwohin musst oder etwas transformieren musst, damit dein Leben beginnt. In dem Prozess bist du der Empfangende. Du erlaubst dem ungeliebten Kind, dass es sich ausdrücken darf. Das bedeutet, du bist das Kind und du bist gleichzeitig der Erwachsene, der fühlt, hört und sieht, was dieses Kind zu Tage bringt. Du ermöglichst, was damals nicht sein durfte. Du schraubst nicht an dem Kind herum, sondern bist in einem tiefen Sein mit ihm präsent verbunden. Du hilfst ihm, dass es den inneren Schrei ausdrücken kann, dass es die Tränen weinen darf, dass es Anklagen oder Mama rufen darf. Nicht, indem du das „tust“, sondern, indem du dem inneren Prozess folgst. Darin liegt die revolutionäre Kraft. Das, was damals fehlte, kann heute nachgeholt werden, emotional nachreifen und heilen. Wir erleben eine zweite Kindheit, befreien unseren Wesenskern und werden unabhängiger von den äußeren Umständen, die uns bislang bestimmt haben. Die Freiheit besteht darin, ein psychologisches Handwerkszeug zu haben, was hilft, immer wieder mit uns in einem tiefen, mitfühlenden Kontakt zu sein. Wenn wir uns auf diese umfassende Art kennenlernen, dann kommen wir an den Ursprung zurück. Das ist das, was uns entfalten lässt, denn jedes Kind, jeder Mensch hat eine unglaubliche Entfaltungskraft. Die Wurzel ist nicht Angst, sondern Freude und wir können spüren, da ist ein immerwährendes Werden, solange wir leben. Wir können äußeren Schwierigkeiten auf neue Weise begegnen. Wie wir uns begegnen, können wir auch dem Außen begegnen.

 

Sehnsucht und Hunger

Ich dachte bislang immer, Essen ist nur eine Frage von Disziplin und ich habe dabei verurteilend auf mich und dicke Menschen geschaut. Wir glauben, dass wir am Essverhalten oder am Gewicht leiden. Dabei geht es gar nicht ums Essen. Das ist lediglich die oberste Eisspitze. Wenn wir uns davon hypnotisieren lassen und beispielsweise an den inneren Schweinehund glauben, können wir die oberste Eisspitze nie verlassen. Wir brauchen eine Tür, ein Handwerkszeug und Möglichkeiten, dass wir den Essensdruck nicht mehr durch irgendwelche Tipps & Tricks verbannen wollen, „trink zwei Gläser Wasser, lauf einmal um den Block“ oder andere reglementierende Diät-, Ernährungs- oder Sportpläne. Die Essproblematik lässt sich auch durch profundes Wissen oder Erkenntnisse nicht in den Griff bekommen. Denn es geht nicht darum, etwas in den „Griff“ zu bekommen. Der Essensdruck ist eine Kontaktanfrage aus unserem Inneren. Sie kommt von jüngeren Persönlichkeitsseiten in uns, die einst hungrig zurückgeblieben sind. Bei der Kopplung von Essen und Emotionen übernimmt das Essen zwei wichtige Aufgaben. Wir essen, um unaushaltbare Situationen aus unserer Biografie, aushalten zu können. Das Essen hat also eine abdämpfende Funktion. Das hat allerdings zur Folge, dass wir immer weiter essen, da die Wunden dadurch ja nicht heilen können. Auf der anderen Seite vermittelt uns das Essen eine bestimmte Gefühlsqualität. Zum Beispiel kann das cremige und süße von Schokolade uns das Gefühl von Trost vermitteln. Niemand hat mit dem Essen angefangen, weil es ihm gut ging. Es gibt immer Gründe dafür und mit uns ist nichts verkehrt, wenn wir noch emotional essen. Es geht nicht darum, am inneren Kind herumzuschrauben. Wenn wir uns der Traurigkeit zuwenden, damit sie endlich nicht mehr da ist, dann tun wir genau das gleiche und gewaltvolle, was unsere Eltern mit uns gemacht haben. Das traurige Kind muss überhaupt erst mal Dasein dürfen. An diese Wunde darf Luft rankommen. Man muss überhaupt mal „Aua“ schreien dürfen, anstatt sofort ein Pflaster drüber zu kleben. Wenn es Dasein darf, wissen wir nicht, was im nächsten Moment geschehen wird. Wenn wir direkt eine Zielsetzung haben, so und so muss ich aber am Ende des Weges aussehen und so muss es sein, dann ist das nur ein Wiederherstellen eines Funktionier-Zustandes. Wenn es wirklich um einen heilsamen Weg geht, dann brauchen wir eine vollkommen andere Haltung gegenüber den störenden Elementen in uns. Das meint nicht „du musst das akzeptieren“, das ist auch gewaltvoll. Wenn du es nicht akzeptieren kannst, was machst du dann? Dann läufst du wieder einem Ideal nach: so wäre ich aber besser. Es braucht eine tiefe emotionale Demokratie, eine Haltung, die allen Seiten in uns, gleichermaßen einen Raum gibt. Die Seite, die sich gestört fühlt und sagt: ich fühle mich unattraktiv, durch das Gewichtsproblem tun mir meine Gelenke weh oder mir fehlen wichtige Nährstoffe, ich schade meinem Körper… und die Seite, die sagt, es ist mir schnurz-piep-egal, ich mache trotzdem so weiter. Alle Seiten brauchen eine Hinwendung und in der Regel sind wir unglaublich parteiisch. Wir sagen zu der einen Seite, das ist richtig, das ist gut und zu der anderen Seite, das ist nicht gut, du musst jetzt mal anders sein. Dadurch werden wir das Problem nie lösen, wir können bestenfalls ein Umgang mit dem Problem bekommen, doch Heilung, als emotionales Reifen, ist etwas anderes.

Auf der Erkundungsreise zu uns selbst, entsteht ein tiefes Mitgefühl und eine gesunde Form von Selbstermächtigung. Dieser Prozess mag nicht von Heut auf Morgen abgeschlossen sein. Das heißt, dass du vor und zurück gehst, dass du unzählige Versuche der Annäherung mit dir selbst haben wirst, um überhaupt eine Präsenz in diese automatisierten Abläufe des emotionalen Essens zu bekommen. Das ist ganz normal. Bevor wir als Kleinkind laufen können, fallen wir ungefähr 10.000 Mal hin. Wenn wir das Laufen erst gelernt hätten, wenn unser Ich-Bewusstsein bereits voll entwickelt wäre, dann würden wir heute noch auf dem Hosenboden durch die Gegend robben, denn so oft, wie wir auf ihm gelandet wären, wir hätten irgendwann aufgegeben. Lasse kein einziges Kind mehr in dir allein zurück. Du bist deine eigene, beste Expertin, wenn es um Heilung geht.

 

 

Hier findest du die Webseite und das neue Buch von Maria Sanchez:
„Die revolutionäre Kraft des Fühlens“