Bist du schon einmal ein Wagnis eingegangen ohne zu wissen, ob es gelingt? 

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Wir sind 26 Leute mit dem Ziel, den höchsten Berg Deutschlands zu besteigen. 30 km mit 2200 Höhenmeter und 8-10 Stunden reine Gehzeit warten auf uns. Keine Ahnung, ob ich das schaffen kann, doch meine Liebe und meine Sehnsucht zu den Bergen, lässt mein Herz höher schlagen und ich bin bereit für dieses Abenteuer meine Komfortzone zu verlassen.

Der Zeitpunkt rückt näher und es springen immer mehr ab. Vielfältige Gründe werden heran gezogen und nachdem der Wetterbericht schlechtes Wetter für den Tag meldet, bleibt nur noch eine Handvoll übrig, die in der Nacht mutig und entschlossen um 03:30 Uhr den Weg antreten. Wie häufig nehmen wir uns etwas vor und sobald Ängste und erste Widrigkeiten auftreten verabschieden wir uns von unseren ehrenvollen Zielen?

Ich wurde auch geprüft, ob ich es ernst meine. Ein paar Tage bevor es losgeht zeigen sich Symptome, die mein Vorhaben sabotieren wollen. Ein Ziehen und Kneifen in der Achillessehne, in den Hüften und Oberschenkeln, die ich sonst nicht kenne. Erstaunlich was der Körper macht, wenn ein Teil von mir lieber sicher und geborgen auf der Couch sitzen bleiben und mich vor einer neuen Erfahrung schützen will. Ich sage ja zu dem was ist, atme in den Schmerz hinein und in dieser tiefen Verbindung lösen sich die Symptome auf. Meine Freude ist größer als meine Angst.

Jeder geht auf eigene Verantwortung, doch Sebastian Eisenbürger, ein Freund, den ich bei GEDANKENtanken kennen gelernt habe, ist diesen Weg schon mehrfach gegangen. Er kennt die einzelnen Etappen und weiß, um wie viel Uhr wir an den jeweiligen Hütten ankommen müssen, damit wir den Gipfel erreichen. Zu wissen, da ist ein Mensch wie du und ich, der den Weg und die Hürden bereits kennt, gibt mir Vertrauen und Zuversicht es auch zu schaffen.

Die berühmte Partnachklamm wurde gesperrt, weil die Wege wegen Unwetter nicht mehr passierbar sind gehen wir einen Umweg, der 40 Min. länger dauert. Es regnet Bindfäden bis wir von innen und außen nass sind. Von innen klebt der salzige Schweiß, doch zum Glück ist es warm und wir frieren nicht. Ich atme die feuchte, frische Bergluft. Das satte Grün überall um mich herum und das rauschende Gebirgswasser nähren meine Seele. Allzu gerne möchte ich in die türkisfarbene, strudelnde Gumpe hüpfen, doch dazu fehlt mir die wärmende Sonne.

Nur wenn ich ein Ziel habe, kann ich es erreichen

Das Ziel vor meinen Augen ist größer als ich und die Magie beginnt in dem Moment, wo ich mich auf den Weg mache und losgehe. Ich bin bereit meine innere Haltung zu verändern und lasse meine bisherigen Regeln, Grenzen und Limitierungen hinter mir und verzichte auf „Mimimimimi“ und energieraubenden Beschwerde-Modus. Das JA ist stark und ich spüre wie sich Kraft in mir entfaltet.

Schritt für Schritt komme ich in Fluss, in meinen eigenen Rhythmus und jeder einzelne Stepp den ich vertrauensvoll gehe, ist kostbar und bringt mich meinem Ziel ein Stück näher.

Jeder Schritt steht exemplarisch für die Schritte, die ich in meinem Leben gehe und keinen einzigen kann ich auslassen oder überspringen. Ich fühle Freude und Liebe für diesen Weg und wie bei einer Geburt bin ich bereit Mühsal, Anstrengung und Schmerzen auf mich zu nehmen. Mein Warum ist groß und trägt mich in jedem Moment. Mit jedem Schritt bahnt sich das Leben den Weg durch dich hindurch und aktiviert Ressourcen, Lösungen und Möglichkeiten. Leben beginnt dort wo die Komfortzone endet.

Etappen feiern

Die Hütten, auf unserem Weg sind wertvolle Etappenziele. Wir sind stolz und staunen jedes Mal wie viel Wegstrecke und Höhenmeter wir bereits geschafft haben, YES!!! Wir stärken uns und füllen unsere Wasservorräte wieder auf. Pause, neue Kräfte sammeln, Innehalten und reflektieren ist so wichtig und richtet uns neu aus für die nächste Etappe auf unserem Weg zum Ziel.

No point of return

Der Moment kommt, da gibt es kein Zurück mehr. Irgendwann ist es sinnlos umzukehren, du kannst nur noch vorwärts gehen. All dein Wissen, deine Fähigkeiten, Qualitäten und Sichtweisen die du auf deinem Weg gewonnen und entwickelt hast, sind ein Teil von dir und erfahren eine Transformation, wenn sogar andere Menschen von dir lernen und sich erlauben, in ihre eigene Schöpferkraft zu kommen.

Ich werde geflutet von der reinen Luft der Bergwelt

Je höher wir kommen, wird spürbar, dass die Luft dünner wird. Der leichte Mangel an Sauerstoff ist aus medizinischer Sicht tatsächlich das Beste, was einem Menschen widerfahren kann, denn er aktiviert seine Widerstandskräfte. Eine Art Frischzellenkur wird durch die Neubildung roter Blutkörperchen angekurbelt, die mehr Sauerstoff ins Blut transportieren. Der Körper erfährt eine spürbare Stärkung – und schöner wird er durch die Zellerneuerung auch noch. In den Bergen geschieht das ganz von allein.

Eine Kette ist so stark, wie ihr schwächstes Glied

Als ich einmal als „Schlusslicht“ gehe, fällt meine Energie spürbar ab und merke, hier ist nicht mein Platz. Ganz vorne fühle ich mich wohl. Hier habe ich die meiste Kraft und Freude.
Unterhalb des Gipfels, hier ist weit und breit kein Grün mehr und die Landschaft wirkt mittlerweile wie eine bizarre Wüstenlandschaft, hat einer aus unserer Gruppe ein schmerzhaftes Ziehen in den Oberschenkeln und er muss immer wieder mal stehen bleiben, um neue Kraft zu schöpfen. Ich gehe hinter ihm und wähle bewusst „Schlusslicht“ der Gruppe zu sein. Ich fühle plötzlich tiefe Dankbarkeit und Liebe, weil ich darauf verzichte, die Erste sein zu wollen und die Unterstützung für ihn gleichzeitig ein Gewinn für uns alle ist.

Der Weg in die Glückseligkeit

Während ich im dichten Nebel im Klettersteig zum Gipfel einen Fuß vor den anderen setze geschieht an der Felskante etwas Unerwartetes. Woher stammt plötzlich diese warme Zufriedenheit, das Siegergefühl, der Triumph? Ist das ein Höhenrausch? In diesem einen Moment schießen die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin in meine Adern. Eine wohlige Emotion breitet sich wie eine berauschende Flüssigkeit in meinem Körper aus und plötzlich ist das schönste Gefühl da: Glückseligkeit. Glück und tiefe Dankbarkeit zu leben, dem Himmel so nah zu sein und es geschafft zu haben! Das Leben umarmt mich.

Als wir den kurzen Klettersteig zum Gipfel wider hinabsteigen und auf der Panorama Terrasse der Zugspitze ankommen, umarmen wir uns. Ein ergreifender Moment. Für diesen Moment der Glückseligkeit hat sich jede Mühe gelohnt. Diese drei Sekunden machen den Unterschied zu denen, die lieber im Liegestuhl des Lebens ihre Tage verdösen oder sich gegen die Wellen der Langeweile stemmen.

Ohne Ziel und ohne Warum würde ich nirgendwo ankommen.
Das Leben ist kostbar, will durchdrungen und in Besitz genommen werden.

Mobile Meditation in den Bergen

Das Wandern in den Bergen geht einher mit der Erfahrung der Langsamkeit. Das Gedächtnis speichert unvergleichliche Bilder der majestätischen Bergnatur ab, Bilder, die der Seele guttun. Die Berge sind eine durch und durch ganzkörperliche Erfahrung, die meinen Geist klärt und zu wunderbaren Auf- und Durchblicken führt. So mache ich mehr von dem, was mich wirklich glücklich macht…