Es ist unsere größte Sehnsucht beweglich und lebendig zu sein. Freude und Spannkraft möchte unsere tägliche Grund-Energie sein, die voller Tatendrang unser Leben meistert.

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Bewegung ist Leben

Flexibilität, Koordination und Beweglichkeit bedeuten, besonders wenn wir älter werden – pure Lebensqualität. In dem Moment, wo wir aufhören in Bewegung zu sein, egal ob geistig, emotional oder körperlich, verlieren wir unsere ureigene Lebendigkeit und Ausdrucksfähigkeit. Als Kind war unsere Neugierde und unser Bewegungsdrang unfassbar groß. Doch wurden wir immer wieder ausgebremst: sei still, zappel nicht so rum, pass dich an, fall nicht auf – bis wir irgendwann stumm die Faszination Leben eingefroren haben.

Egal wo du heute stehst, es ist nie zu spät wieder die Leichtigkeit und Freude lebendig werden zu lassen. Selbst wenn du Jahrzehnte lang deinen Körper vernachlässigt hast, haben wir durch die sog. Neuroplastizität in unserem Gehirn die Fähigkeit, neue Bahnen und Verknüpfungen herzustellen und können somit neue positive Gewohnheiten und Veränderungen in unserem Leben freisetzen und integrieren.

Die Faszien sind maßgeblich daran beteiligt wie durchlässig, frei und wohl wir uns in unserer Haut fühlen.

Faszination Faszien

Was sind Faszien überhaupt? Die Faszien sind ein dreidimensionalen Netz, das alles in unserem Körper umhüllt und miteinander verbindet. Es steht für Spannkraft und Elastizität. Es durchzieht unseren gesamten Körper von oben nach unten, von vorne nach hinten und von innen nach außen. Sie haben vielfältige Aufgaben. Sie helfen uns bei der Aufrichtung, halten die Organe in Form, übertragen mechanische Zugkräfte und sorgen dafür, dass die Muskeln und Organe in einer gel-artigen Substanz frei aneinander gleiten können. Faszien sind so faszinierend dünn wie Cellophan. Vielleicht bist du ihnen bereits begegnet, wenn du ein Stück Fleisch geschnitten hast? Diese Faszienschicht ist hauchzart, weiß bis durchsichtig und sie schillert sanft im Licht.
Die Faszien umhüllen jede erdenkliche Struktur in unserem Körper. Würde man den Inhalt der Faszien vollständig leeren, also die Organe, Muskeln, Knochen, Gefäße und Nerven entfernen und nur die Faszien blieben übrig, so wäre der Mensch in seiner Form und Struktur dennoch vollständig zu erkennen. Das macht die Faszination deutlich: alles ist mit allem verbunden. Über die Faszien können wir tiefe Verbundenheit erfahren. Wenn ich dich in meiner Praxis z.B. an den Füßen berühre, berühre ich dich nicht punktuell und isoliert an dieser Stelle, sondern ich berühre dich immer als Ganzes. Die Osteopathie ist sich dieser tieferen Zusammenhänge schon lange bewusst. Meine Hände lauschen den unterschiedlichen Qualitäten von Elastizität und Spannung in deinem Gewebe. Schmerzhafte Blockaden erfahren durch die Behandlung behutsam ihre Freiheit zurück.

Unser Muskel-Faszien-System reagiert sehr fein und dynamisch. Wenn du einen Muskel an einer Stelle aktivierst, gibt es über die langen Faszienketten eine Reaktion an anderen Körperstellen. Muskeln arbeiten nicht isoliert, sondern immer verbunden im körperweiten faszialen Netz. Genauso wirken sich Verspannungen und Blockaden im Gewebe als Zugspannung auf entfernte Regionen und Organe aus und können so für Probleme sorgen.

Die Faszien und Muskeln halten uns in einem dynamischen Spannungsfeld aufrecht. Allein das bloße Stehen benötigt eine ständig leichte Muskelanspannung und ein ständiges ausbalancieren. Das geschieht unbewusst und automatisch. Würden wir diese Tonusregulierung nicht leisten, würden wir sofort hinfallen. Wenn wir schlafen oder uns in einer Narkose befinden, können wir nicht stehen, weil uns der Muskeltonus fehlt.

Warum bekommen wir Schmerzen?

Unser myofasziales Netzwerk passt sich unseren täglichen Belastungen an. Bei Überlastung, ungünstiger Körperhaltung, Schonhaltung oder Inaktivität verklebt oder verfilzt dieses feine Netz mit der Zeit immer mehr, wie ein Wollpullover, der zu heiß gewaschen wird. Das kollagene Bindegewebe verliert dabei nicht nur seine Form, es wird auch hart und steif und büßt seine Gleitfähigkeit ein. Das heißt, wenn wir oft und lange gebückt sitzen, passt sich das Gewebe an und verdickt sich gerade im oberen Schulter-Nacken-Bereich und das Schulterblatt verliert seine wunderbare Fähigkeit frei und leicht über die Rippen zu gleiten. Das ist der Grund, weshalb so häufig Verspannungen und Schmerzen auftreten. Es sind in erste Linie nicht die Muskeln, die verspannt sind, sondern das fasziale Gewebe das unter Spannung steht.

Die Faszien gelten als unser größtes Sinnesorgan

Die Uni Ulm betreibt ein Forschungslabor speziell für Faszien. Man hat festgestellt, dass die Faszien stark innerviert sind. Das bedeutet, sie werden von Nervenfasern sogar sechs mal mehr als die Muskulatur durchzogen. Im Faziengewebe befinden sich erstaunlicherweise freie Nervenendigungen, Rezeptoren, die der Schmerz- und der koordinativen Körper-Wahrnehmung dienen. Wo und wie befinde ich mich im Raum, wie viel Platz hat mein Arm noch bis zum Ende der Bewegung… Das alles wird über die faszialen Dehn-Rezeptoren wahrgenommen. So sprechen wir korrekterweise eher von einem „Faszienkater“, als von einem „Muskelkater“.

Die Intelligenz der Faszien

Je nach Bedarf können die Zellen der Faszien Schmiermittel oder Fasern herstellen. Diese Schmiermittel können, wie die neue Forschung erkennt, durch Bewegung wie Yoga, Massage und manuelle Therapien, wie z.B. „Harmonische Techniken“ innerhalb von Minuten verstärkt hergestellt wird.
Bei mangelnder Bewegung, Fehl-oder Schonhaltungen können die Faszienzellen nur wenig Schmiermittel bilden und die Faszien verkleben und verhärten. Sie verdicken wie ein dichtes Spinnennetz und verursachen auf diese Weise Schmerzen. Ein anschauliches Bild für das verfilzen der Faszien sind Haare, die man z.B. einen Monat lang nicht gekämmt hat.
Werden Akupunkturnadeln gesetzt und „gedreht“, dann werden an dieser Stelle die Faszien wie „Spaghettis um die Gabel gedreht“ und verstärken ihre Tiefen-Wirkung.

Über ein Ultraschallgerät lässt sich die Fasziendicke und ihre Gleitfähigkeit überprüfen. Dort werden Unterschiede z.B. bei einem älteren Menschen, der chronische Schmerzen und sich wenig bewegt hat, im Vergleich zu einem sechsjährigen Kind, das körperlich aktiv und flexibel ist, deutlich sichtbar.

Bei chronischen Schmerzen kann eine Druck-Punkt-Behandlung einen Dehnreiz auf die verklebten Faszien auslösen, die auf Rückenmarks-Ebene eine Umpoolung bewirkt. So ist es möglich, das in Einzelfällen sogar in einer einzigen Sitzung die Schmerzen komplett verschwinden können.

Faszien-Flow

Da die Faszien unser größtes Sinnesorgan ist, sind wir eingeladen, diesen Körpersinn zu verfeinern. Am Morgen können wir, nach einer langen Nacht der Immobilität, unsere Faszien pflegen, indem wir uns ausgiebig und genussvoll rekeln. Ebenso, wenn wir lange gesessen haben. Wo immer du bist, kannst du deinen Körper liebevoll fragen, welche Bewegung tut mir gerade jetzt, in diesem Moment gut? Wer sagt uns denn, dass wir starr und bewegungslos durchs Leben gehen müssen? Warum können wir beim Auto fahren, am Rechner, beim bügeln oder kochen uns nicht auch gleichzeitig genussvoll und geschmeidig und sanft wie eine Katze bewegen?
Ein Freund, dessen Wahlheimat Brasilien ist, erzählte mir, dass es in diesem Land keine Hüftarthrosen gibt. Auch wenn die Frauen High-Heels tragen, ihr Gang ist immer geschmeidig-schwingend, während hierzulande viele Menschen plump in jeden Schritt hineinfallen. In Afrika können die Babys, ab dem Moment wo sie aufrecht stehen, tanzen. Es ist in ihrem Blut und ein Ausdruck ihrer ureigenen Lebenskraft und Freude. Nehmen wir diese Freude wieder in Besitz!

Faszien-Bewusstsein

Mit bewussten Bewegungen kannst du besonders wenn du Schmerzen hast, in deinem Körper eintauchen und deinen Bewegungsspielraum liebevoll und behutsam vergrößern. Durch schwingen, federn und sanftes schütteln stärken wir die Elastizität in unserem Körper. Folge deinen inneren kreativen Impulsen, spielerisch und dynamisch. Dehne dich mühelos und entspannt über ganze Faszienketten hinweg. Mehr und mehr wird dein Körper dir sein natürliches Bedürfnis nach Bewegung zeigen und mit einem schmunzelnden Lächeln dir entlocken. Du wirst beweglich und flexibel werden, die Faszien durchsaften und Spannungen lösen, regenerieren und sogar neue Energie generieren und die lähmende Müdigkeit, die träge macht, entlassen. Wenn es dir gelingt, deinen Körper als dreidimensionalen Raum wahrzunehmen, dann wird es dir möglich sein, diese Verbindung zu spüren, die dich lebendig macht, die dir Anmut und Schönheit verleiht. Wenn du diese Verbundenheit in deinem Körper spüren kannst, dann kann sich das Gefühl von Einheit und Einssein ausbreiten. Im Flow deines Körpers bekommst du die Energie, die du dir für ein erfülltes und kraftvolles Leben wünschst.