Ich habe gerade das wunderbare Buch entdeckt: „Körperflüstern – Der heilsame Dialog mit deinem Körper“ von Tala Mohajeri und ich möchte mit dir gemeinsam die Sprache unserer Körperlandschaft ergründen. 

Der „Pferdeflüsterer“ versteht die Körpersprache des Tieres und schwingt mit ihm mit. Das Pferd spürt, seine Bedürfnisse werden erkannt, und auf empathische Weise entsteht ein heilsamer Dialog, in denen sogar Verhaltensauffälligkeiten ganz ohne Gewalt, Druck oder Grenzüberschreitungen in einem erfüllenden Kontakt gemeistert werden. Körperflüstern bedeutet, sich liebevoll und behutsam anzunähern, um der heilsamen Ursprungskraft zu begegnen. Wenn wir unseren Körper jedoch unaufhörlich mit peitschenden Worten antreiben: „Los funktioniere endlich wieder, sei still, jammer nicht, schneller, schneller!“, landen wir in einer sowohl leidvollen, als auch traurigen Spirale der Selbstmissachtung. Das Blatt dieser Negativspirale, die enorm viel Lebenskraft kostet, wenden wir, wenn wir in einem bejahenden und positiven Körpergefühl leben. In dieser Wahrnehmungsqualität generiert der Körper seine Lebendigkeit. Unser Körper ist ein fühlendes Wesen, eine untrennbare Einheit, durchdrungen von Geist und Seele. Es geht nicht darum, uns länger zu bändigen, zu zähmen oder kleinzuhalten, sondern darum, zu erkennen, das wir bergquellwasserfrische Geschöpfe sind – lebendige Verkörperung von Naturkräften die sich durch den Körper in das Leben hinein ausdrücken.

Die Seele spricht zum Körper
In unserer leistungsorientierten Welt setzten wir voraus, dass unser Körper einwandfrei funktioniert. Wahrgenommen wird er häufig erst, wenn er schmerzt. Wenn dein Verstand verspannt ist, weil er ständig Grübeleien ausgesetzt ist, dann ist dein Körper auch verspannt. Man kann einfach nicht seelisch angespannt und körperlich entspannt sein oder umgekehrt. Entspannung ist ein Zustand, der den ganzen Menschen mit Körper und Seele umfasst. Deine Innenwelt drückt sich unmittelbar durch eine feine und differenzierte Sprache (Symptome) deines Körpers aus. Alles was wir je erlebt, gefühlt und geschmeckt haben, jede Erinnerung im Körper ist gespeichert wie in einer großen Enzyklopädie. Er spricht die ganze Zeit mit uns. Körperflüstern sind feine leise Botschaften und Signale. Werden sie beflissentlich überhört oder missachtet, dann schreit der Körper irgendwann lautstark auf und antwortet mit Schmerzen oder chronischen Krankheiten. Die Seele spricht zum Körper: „Geh du vor, auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf dich!“ und der Körper antwortet „Ich werde krank werden. Dann wird er Zeit für dich haben“.
 
Körperflüstern und die Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele 
Im Volksmund werden die Zusammenhänge zwischen Körper und Seele vereinfacht und treffend formuliert:
• sich den Kopf zerbrechen
• die Nase voll haben
• sich etwas zu Herzen nehmen 
• Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen
• Gift und Galle spucken
• Das raubt mir die Luft 
• Liebe geht durch den Magen
• Mir ist das auf den Magen geschlagen 
• Man frisst etwas in sich hinein
• Das finde ich zum Kotzen
• Das geht mir an die Nieren
• Etwas nicht verdauen können
 
Jedem Körperempfinden geht ein Dialog, eine Form von Wahrnehmung, voraus. Die Wahrnehmung ist sehr geerdet, das heißt, dass sich der Körper zunächst bemerkbar macht durch Müdigkeit, Verspannungen oder Schlafstörungen. All das sind Ausdrücke des Körpers, wo er um Aufmerksamkeit ringt und sich wünscht, einmal Innezuhalten, tief durchzuatmen, einen kleinen Spaziergang zu machen, sich genüsslich zu rekeln und zu strecken … Oder aber, wir fühlen unseren Körper gar nicht, weil wir uns im Gedankenkarussell verlieren. Es braucht etwas Übung, bis das unkontrollierte Gedankenfeuer still wird und der Geist im Körper ruhen darf. Lauschen wir der Fülle-Vielfalt unserer Körperwahrnehmung. Folge den Bewegungen deines Ein- und Aus-Atems. Spüre bewusst den Boden unter deinen Füßen. Die Füße sind unsere beweglichen Wurzeln, die uns in turbulenten Zeiten Erdung und Stabilität schenken. Fühle das pulsierende Kribbeln unter der Haut, wenn du aus einer kalten Dusche hüpfst, die kuschelige Weichheit einer Katze, dessen Körper sich schnurrend in deinen Schoß rollt, das wohlige Gefühl im Bauch nach einem leckeren Essen … Schon nur beim Lesen wird die Vorstellungskraft wach, löst Empfindungen aus und lässt Glücks-Botenstoffe in deine Seelen-Körperlandschaft sprudeln. Welche Impulse und Gedanken nähren dich und welche rauben dir Energie? Dein Körper gibt dir sofort ein wirksames Feedback! Menschen mit einem guten Körpergefühl sind sicherer in ihren Bewegungen und können auch in ungewohnten Situationen angemessen reagieren und handeln.
 
Innehalten
Im Stress schüttet der Körper jede Menge Adrenalin und Cortisol aus. Das Immunsystem wird heruntergefahren und Energien werden für Flucht oder Kampf freigesetzt. Ohne körperliche und seelische Entspannung können Regenerations- und Heilungsprozesse nicht in Schwung kommen, geschweige denn reibungslos ablaufen. Daher ist es auch für Schwangere wichtig, sich mindestens 80% im parasympathischen-Entspannungsmodus zu befinden. Die Gefäße sind weit, der Fötus wird ausreichend versorgt und kann sich einwandfrei entwickeln. 
 
Darf ich denn einfach eine Auszeit für mich nehmen? Einfach nur für mich da sein? Ja! Denn genau das brauchen wir so dringend. Auszeiten, in denen wir die Reize unseres Alltags verdauen können. Wenn alles zu viel wird, schreibe oder meditiere ich oder gehe hinaus in die Natur. In den Wald, einfach raus. Vielleicht ein Spaziergang, um zur Ruhe zu kommen oder ein Lauf in der freien Natur. Allein durch Bewegung werden Stresshormone abgebaut und der belastende Gedankenstrom unterbrochen. Manchmal hilft auch eine warme Dusche, eine Tasse Tee, Körperkontakt, eine herzliche Umarmung oder heilsame Berührungen durch Massagen… Versuche einfach für dich ganz allein zu sein, nur für dich, ohne dich von Außenreizen ablenken zu lassen. Hab kein Ziel außer jenem, dich selber wieder wahrnehmen zu wollen und dich zu spüren. Ein Ja zu dir selbst, setzt die Kraft frei, die dich in den Armen des Lebens erblühen lassen. 
 
Das On-Off-Prinzip 
Weißt du, warum es so schwierig ist, den Fühl-Fokus für eine längere Zeit im Körper zu halten? Die Wahrnehmung für den Körper geht in der Sekunde flöten, wenn sich der Verstand einschaltet, denn es ist unmöglich, gleichzeitig Denken und Fühlen zu können. Schon mal ausprobiert? Wenn ich fühle, denke ich nicht, und wenn ich denke, ist der Fühlmodus ausgeschaltet. Ein On-Off-Prinzip als Aha-Erlebnis der Dualität? 
Die schönsten Augenblicke und Sternstunden erlebe ich, wenn ich mich ganz aufs Fühlen einlasse ganz ohne Ziel und Erwartung und eintauche in das, was ist. Meine Sinne öffne für all das Schöne, inklusive zärtlicher Akzeptanz für meine Schwächen und Wunden. Ich bin bereit den Augenblick zu fühlen, wenn kein „Ja, aber“ mehr dazwischen funken kann, der meinen kuriosen „Aber-Glauben“ nährt. Wenn du angstvolle Grübeleien stoppen willst, geh als liebevoller Beobachter raus dem Kürbis-Wirrwarr, in deinen Körper hinein und fühle für einen Moment bewusst, wo genau du die Angst im Körper spürst und wie sie sich bewegt. Nimm dich mutig als Forscher*in an die Hand und bleibe mit dir im Kontakt. Türen öffnen sich im Zustand des Seins. Das ist eine gute Botschaft; wir finden Frieden in der Anbindung an unsere Körperresonanz, die nicht bewertet. Sich selbst und den eigenen Körper nicht länger zu bewerten ist ein befreiender Schlüsselmoment. 
 
Körperheimat
Möchtest du ein bewegendes Experiment starten und einen Liebesbrief an deinen Körper schreiben und erfahren, wie sich dein Lebensgefühl verändert? In der liebevollen Hinwendung an uns selbst, werfen wir den Anker in unseren Körper, der ein heiliger Tempel ist. Um eine Idee dafür zu bekommen, wie so ein Brief aussehen kann, sind hier ein paar Zeilen, die ich vor ein paar Tagen an meinen Körper geschrieben habe: 
„Geliebter Körper, du wunderbares Wesen! Du schenkst mir Leben, du bist Heimat für meine Seele, meinen Geist, mein Sein. Du nimmst die innere und äußere Welt mit all deinen Sinnen wahr, denn du kannst fühlen, riechen, schmecken und eröffnest mir neue Blicke und Möglichkeiten. Du bist der Ort, an dem ich mich geborgen fühle und mich mit jedem Atemzug in mich selbst hinein entspannen kann. Ich danke meinen Lungen, die verbunden mit den Pflanzen, der Natur, im Kreislauf atmen. Mein Herz, es schlägt in jeder Sekunde voller Hingabe für mich. Mein Bauch, du bist warm und weich, zugleich fest und dehnbar, ein Ausdruck von Fülle und geheimnisvoller Weiblichkeit. In dir wohnen mein Bauchgefühl, meine Intuition und meine kraftvollen Organe. Du bist in der Lage, Leben zu schenken und zu gebären. Liebe Haut, du bist zart und empfänglich. Du schützt mich vor Wind und Kälte und lässt mich Berührungen fühlen. Meine Brüste, zwei tolle Gefährtinnen sinnlicher Lust. Meine Knochen, mein Becken und meine Wirbelsäule, sie schenken mir Aufrichtung, Kraft und Flexibilität und ich bin frei, mich in alle Richtungen zu bewegen. Meine Muskeln sie schenken mir Spannkraft, Flexibilität und Form. Mein inneres Leuchten drückt sich durch meinen Körper aus, lässt mich handeln, zupacken und Chancen ergreifen. Jede einzelne Zelle ist ein Wunder in Aktion und vom Leben berührt. Ich fühle und höre dich, erfüllt von liebevoller Dankbarkeit.“
 
Rettet die Umarmungen
Gerade jetzt in diesen Zeiten sind Umarmungen definitiv eines der kostbarsten Dinge, die wie einander schenken können. Das Immunsystem wird lebensrettend liebkost und gestärkt. Serotonin und Endorphine werden vom Gehirn vermehrt ausgeschüttet. Isolation, Antriebslosigkeit, Panikattacken und Existenzängste verwandeln sich durch Körperkontakt und dem Strömen von Glückshormonen in Trost, Fürsorge und Zuversicht. Du kannst dich mit deinem Partner/Partnerin oder einer vertrauten Person für innige Nähe verabreden. Ihr umarmt euch solange, bis die eigene Entspannung im Körper einsetzt und ein tiefes Loslassen möglich wird. Nehmt euch genügend Zeit, vielleicht eine Dauer von 20 Minuten oder länger und findet einen Position, die für euch beide bequem ist, so dass sich der gesamte Körper entspannen kann und ihr euch ganz para-sympathisch seid. Rettet die Zärtlichkeit! Lass dich umarmen und umarme sooft du willst.
 
Erdflüstern
Eine sehr liebenswürdige, interessante Frau kommt nach dem Online-Kongress zu mir in die Praxis. In der Berührung ihres Körpers habe ich auf einmal das Gefühl, als würde ich Mutter Erde, Gaia massieren. Ich beschreibe ihr meine Wahrnehmung und sie erinnert sich daran, wie ihre Oma frische Erde in ihren Händen hält, intensiv daran riecht und ihre Enkelin auffordert: „Riech mal, riech an der Erde und sag mir, was fehlt der Erde?“ Sie war in der Lage zu riechen, dass es der Kalk war, der fehlte. Dysbalancen im Menschen kann ich auch über den Geruchsinn wahrnehmen zum Beispiel Pilzbefall, Angst und Übersäuerung. Mutter Erde kann auch spüren was uns fehlt, besonders gut, wenn wir barfuß gehen. Über die Fußsohlen nehmen wir auf feinstofflicher Ebene genau die Mineralien auf, die wir in dem Moment brauchen. Besonders im Frühling und im Herbst liebe ich den würzig-feinen Duft von frischer Erde und sauge ihre geheimnisvolle Kraft tief in mich hinein. Wir können leise mit ihr flüstern, singen, lauschen und ihre Körpersprache kennenlernen. Mutter Erde, sie verkörpert Fruchtbarkeit, sowie enorme Regenerations- und Selbstheilungskräfte. Ihr Potential tragen wir eins zu eins in uns. In der Liebe und Wertschätzung für ihren Körper nähren und heilen wir unsere eigene Lebenskraft. 
 
Verkörperung der Naturkräfte
Wenn der Raureif morgens noch auf den Wiesen liegt, bin ich verzaubert von der kühlen Schönheit der Natur. Da habe ich vor ein paar Tagen voller Staunen, behutsam die Knospen warmgeküsst. Das Eis brizzelte kitzelnd-schmelzend auf meinen Lippen und ich hatte das Gefühl, mein warmer Atem strömt durch die Knospen in die Äste, in den Stamm bis in die Krone und in die Wurzelspitzen des Walnussbaumes hinein. Diese wunderschöne Erfahrung verkörperte sich anschließend in mir, als ich von einem lieben Kollegen eine Massage bekommen habe. Als er meine Beine und Arme massierte, hatte ich das Gefühl, er streicht meine Äste mit Knospen aus, die durch wohlige Wärme lebendig durchflutet werden und sich dem Leben freudvoll entgegenstrecken.
 
 
Bild von Thomas Wolter auf Pixabay