Intellektuell gibt es viele Gründe, unser Leben auf der Erde grundlegend zu verändern. Launenhafte und unberechenbare Hitzeperioden, ausgelaugte Böden, verschmutztes Trinkwasser, Entwaldung und dezimierte Tierwelt sind Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft, die wir geschaffen haben, nicht nachhaltig ist. Doch wir tun immer noch so, als gäbe es keine Probleme und sind nicht in der Lage, neue Schritte zu gehen. Wir spüren nicht einmal, dass wir einen Unterschied in dieser Gesellschaft machen können. Viele Menschen klammern sich an veraltete Ideale und Überzeugungen, die man sich wie eine schützende Sicherheitsdecke umlegt, in der Hoffnung, dass wenn wir uns darunter verstecken, die Probleme nicht mehr existieren. Es scheint einfacher zu sein, weiter zu machen, wie bisher. Es ist zu bequem, sich von gewissen Aspekten des Lebens zu trennen, von denen wir glauben, sie seien für unser Glück unerlässlich. Warum kümmern wir uns nicht um das Gewahrsein und die Bedürfnisse unserer Erde – unsere Lebensmittel, die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken? Das Leben, wie wir es kennen, all das steht buchstäblich auf dem Spiel. Reicht das nicht, um uns Menschen aufzurütteln?

 

Entdeckung der Natur-Spiritualität

Viele Menschen fühlen sich getrennt und isoliert und die Erde wird immer noch als ein „Ding“ betrachtet – nicht als unsere Heimat und Mutter, die liebevoll auf uns schaut und alles Leben gebiert. Wenn wir getrennt sind, können wir die Hilferufe nicht hören und die Bedrängnis dieser Zeit nicht fühlen.

Wenn wir uns der Natur mit einer offenen, spirituellen Haltung nähern, erkennen wir, dass unser Leben auf dieser Erde ein lebendiger Austausch ist. Jedes Kohlenstoffatom in deinem Körper war statistisch schon 600 x Bestandteil von einem anderen Lebewesen. Das bedeutet, das was du bist, war vielleicht schon mal eine blühende Rose, ein funkelnder Stein, ein Greifvogel, Sternenstaub, Moos, vielleicht ein Kaulquappe oder ein Dinosaurier. Du bist, was andere zuvor waren. Es gibt keinen einzigen Augenblick, indem die Natur sich nicht für uns einsetzt. Sobald wir uns mit ihr verbinden, löst sich die Illusion der Trennung und wir werden uns der Einheit gewahr, die das gesamte Leben umfasst.

Alte Kulturen lebten in diesem Bewusstsein ihr Leben und atmeten auf diese Weise. Es gibt Gemeinschaften auf der ganzen Welt, die dies noch immer tun.

Glücklicherweise kann jeder, auch in dieser modernen Welt, ein Leben führen, das spirituell mit unserer Erde verbunden ist. Egal, ob du mitten in einer geschäftigen Stadt lebst oder auf dem Land wohnst, du bist umgeben von Natur. Natürlich ist sie für einen Stadtbewohner nicht so leicht zugänglich, und manchmal kann es eine Herausforderung sein, sie wahrzunehmen, aber du wirst überall Luft atmen und die Sonnenstrahlen fühlen können. Es gibt überall Pflanzen, Bäume, Tiere und Vögel, wo die Natur zu dir spricht. Letztlich sind wir alle Kinder dieser Erde. Diese Verbindung lebt in jedem von uns und wartet darauf, erkannt zu werden. Lass uns unsere göttlichen Wurzeln entdecken. Das ist der Wunsch unserer Seele und ein Teil unserer Bestimmung.

Die schönste Entdeckung, die wir vielleicht machen können, ist die tiefe Erkenntnis, dass die Natur geduldig auf unsere Rückkehr wartet. Sie wartet auf diesen Akt der Heilung, seit dem Moment unserer Geburt. Das mag auch erklären, warum Babys und Kleinkinder glücklich sind, wenn sie draußen sind. Sie werden sofort ruhig, denn die Natur ist ihnen vertraut und ihr Zuhause. Egal, wie viele Jahre du dich auch abwesend und getrennt gefühlt haben magst, wenn du die Verbindung zur Natur wieder aufnimmst, wirst du feststellen, dass du weder gescholten, gerügt, noch bestraft wirst. Die Natur empfängt uns mit offenen Armen und bedingungsloser Liebe, sie akzeptiert und schätzt uns genau so, wie wir sind – weil wir sind. Mit uns war niemals etwas verkehrt. Die Natur kann unser göttliches Licht sehen, und sie lehrt uns, das göttliche Licht in allen Lebewesen zu erkennen.

 

Im Herzen barfuss

Wenn sich dein Herz öffnet, kannst du das pulsierende Leben spüren. Jede Zelle erklingt in strahlenden Farben. Das Leben ist Vielfalt und Schönheit. Spreche mit den Bäumen, sage dem Vogel, wie sehr du seinen Gesang liebst, lasse dein Haustier wissen, wie gerne du es hast und wie dankbar du bist. Die Natur ist telepathisch, das bedeutet, du brauchst nicht laut zu ihr sprechen. Du kannst dich ihr im Stillen mitteilen. Zum Beispiel, wenn du am Morgen das Fenster öffnest, die Straße entlang gehst und auch, wenn du beim Einschlafen an sie denkst. Denn Dankbarkeit ist eine gute Möglichkeit, deinen Körper und deinen Geist zu entspannen. Du wirst spüren, dass du in friedvoller Stimmung einschlafen und aufwachen kannst und dass du im Traum vielleicht sogar von einem Boten der Natur besucht worden bist, der eine Weisheit für dich mitbringt und seine Liebe zum Ausdruck bringt.

Verbinde dich mit der wilden Weisheit in dir. Gehe barfuß, so oft du kannst, spüre die Erde, trete sanft auf, nehme die Empfindung des Windes auf deinem Gesicht wahr, die Sonne auf deiner Haut, den erfrischend würzigen Duft in der Luft nach einem Regen. Erlebe die Natur und deinen Körper mit allen Sinnen und auf alle möglichen Arten, die das Leben für uns bereithält.

Ich habe Insekten zugeschaut, wie sie auf der Haut meines Freundes gelandet sind. Sie sind auf seinem Arm hinauf und hinunter spaziert. Ich hatte den Eindruck, dass es vor allem ihre Freude und ihr Staunen war, dass Thomas ihnen erlaubte, auf seiner Haut zu landen.

 

Das Unsichtbare wird sichtbar

Vor ein paar Jahren, bin ich immer wieder, noch vor Sonnenaufgang, auf den Siegfriedfelsen – meinen geliebten „Hausberg“, gestiegen. Der Nebel wabert im Herbst über den Rhein, fließt und strömt geheimnisvoll durch die bewaldeten Täler des wunderschönen Siebengebirges. Der Anblick ist so berauschend, dass ich manchmal das Gefühl hatte, ich bin im Hochgebirge. An jenem Tag baute sich eine fette, weiße Wolke, direkt vor mir auf. Hinter mir stieg die aufgehende Sonne empor. Der Siegfriedfelsen, das Gipfelkreuz und ich, warfen zum Greifen nahe, unseren Schatten auf die Wolke, die vor mir war. Ich konnte mir selbst zuwinken und lachte. Ich setzte mich staunend neben das Gipfelkreuz auf den Felsen. Es dauerte nicht lange, da sah ich, wie sich in der Wolke, um meinen Schatten herum, ein wunderschöner Regenbogen bildete. Es dauerte nicht lange, da bildete sich sogar ein zweiter Regenbogen um mich herum. Ich saß im Licht eines doppelten Regenbogens, der mich wie ein Segen berührte. Dieses Bild tauchte später, in einer Art Meditation, noch einmal auf. Dieses Mal saß meine Mutter, die bereits gegangen war, umgeben vom Regenbogenlicht, direkt vor mir. Sie lächelte mich an und wir sprachen miteinander… Seitdem liebe ich die frühen Morgenstunden, um in der heilsamen Kraft, der Natur zu sein.

Sei hartnäckig. Sei aufrichtig. Sei geduldig. Du wirst eine Freundschaft mit der Natur entwickeln, wie du auch Freundschaften und Beziehungen zu anderen Menschen aufbaust. In der Natur gilt es, die gleichen Höflichkeiten zu respektieren. Ja, die Natur möchte kommunizieren, doch versuche nicht zu aufdringlich oder zu fordernd zu sein. Und sei nicht wählerisch in Bezug auf die Art, wie sich dir zeigen möchte. Werde gewahr, wie Bäume und Pflanzen sich danach sehnen, unsere Berührung und Verbundenheit zu erfahren. Bitte die Natur, dich zu lehren und dich zu heilen und sei offen für die verschiedenen Wege, auf denen die Natur mit dir kommunizieren möchte. Sei aufmerksam allem Leben gegenüber, das deine Wege kreuzt. Erlaube dir, umherzuwandern und zu sehen, wovon du dich angezogen fühlst. Versuche, tagträumend deine Lieblingsorte zu entdecken. Wie schaut die Landschaft aus, die dich berührt? Gibt es Wasser, Berge, Wald, Wüste, Höhlen, Baumwurzeln, Felder oder Weiden? Welchen Charakter hat die Tier- und Pflanzenwelt? Wie ist das Wetter? Finde heraus, welcher Teil der Natur zu deiner Seele spricht.

 

Die Natur ist unser Spiegel

Interessanterweise haben viele Menschen Angst davor, rauszugehen. Sie haben Angst vor Gewitter und Angst vor der Dunkelheit. Sind diese Sorgen eventuell nur eine Illusion? Das was uns tatsächlich Angst macht und herausfordert, liegt nicht da draußen in der Natur, sondern es liegt in unserem Inneren. Es sind die Unwetter und die Gewitter unserer Seele. Es ist die innere Dunkelheit, die Kälte in uns, die undurchsichtigen Nebel unserer mühevollen Gedanken. Alles was wir draußen in der Natur finden, ist ein Spiegel und eine Botschaft für unsere Seele. Deshalb sind schon immer Menschen auch nach draußen, in die Natur und zu heiligen Plätzen gegangen. Jesus ist hinaus in die Wüste gegangen, um zu fasten, Franz von Assisi, Hildegard von Bingen und viele andere mehr… Die Natur, die Schöpfung ist nicht nur eine Kulisse, in der wir uns bewegen. Sie ist der Ort, an dem wir das Innerste finden – in dem wir Gott finden. Die Natur ist eine Widerspiegelung des Lebens.

Für die Natur gibt es keinen Tod. Sie ist, wie die Gezeiten, in einem Zustand des ständigen Ansteigens und wieder Verebbens. Sie ist in einem beständigen Wandel und glücklich, etwas von sich zu geben. Deshalb ist es von großer Bedeutung, Mutter Erde für die Nahrung, die sie uns schenkt und die Unterstützung, die sie uns zur Verfügung stellt, zu danken – ein kleiner, stiller Dank, bevor wir die Gabel in den Mund stecken. Geben wir dem wundervollen Wald, der uns als Lunge, Heiler und Sinneserfahrung dient, unsere Wertschätzung. Er stellt uns sein Holz für unsere Häuser zur Verfügung. Nehmen wir uns für einen Moment Zeit, um den Himmel zu bewundern, egal bei welchem Wetter. Alle diese einfachen Handlungen der Dankbarkeit erweitern unser Bewusstsein und das Bewusstsein unserer Erde.

Erinnere dich daran, dass absolut kein Akt der Freundlichkeit und Güte gegenüber der Natur, unbemerkt bleibt. Es sind nur die Menschen, die oft die Feinheiten des Lebens nicht wahrnehmen. Die Natur reicht uns die Hand.

 

Lebendige Verbundenheit

Während sich unsere Verbindung mit der Erde vertieft und stabilisiert, wird es für uns unmöglich, nicht unser ganzes Leben in Ausrichtung auf diese Verbindung zu leben. Wir werden uns danach sehnen, mehr Zeit im Freien zu verbringen und friedvoll die Natur zu genießen ohne den menschengemachten Lärm. Wir werden nichts einfach wegwerfen und werden ein weggeworfenes Stück Müll auflesen. Wir werden Fürsprecher für Recycling und für die Reduzierung von Abfall sein, wir werden das, was wir brauchen achtsam einkaufen, von verantwortlich handelnden und mitfühlenden Landwirten und Unternehmen.

Wir werden auch in einfachen Tätigkeiten Erfüllung finden, und wir werden feststellen, dass das Bedürfnis für viele „Dinge“ aus unserem Leben zu verschwinden beginnt und wir erkennen, wie unnötig viele von ihnen wirklich sind.

Nicht nur das, wenn wir empfänglicher werden für die Stimme der Natur, werden wir auch einfühlsamer für die Stimme des eigenen Körpers. Wir werden Veränderungen feststellen in Bezug auf die Lebensmittel, nach denen wir ein Verlangen haben. Indem wir bewusster werden für die Bedürfnisse unseres Körpers, erkennen wir, wie sich auch in unserem Lebensstil gesunde Veränderungen vollziehen. Wir wachen zu unserer eigenen Natur auf, und es ergibt sich eine Verschiebung hin zur umfassenden Heilung und zu mehr Vitalität.

Indem sich unsere Verbindung zu Natur vertieft, wird unsere Präsenz einfühlsamer, und wir werden nicht nur feststellen, wie wir und die Natur uns gegenseitig anziehen, sondern dass auch andere Menschen sich von uns angezogen fühlen. Sei darauf gefasst, dass du Kommentare zu hören bekommst wie: „Wie ruhig du bist!“ oder „Du scheinst so glücklich zu sein.“

Als Elternteil wirst du feststellen, dass in der Verbindung mit der Natur, dein inneres Kind erwacht, und dass du eine tiefere Bindung zu deinen eigenen Kindern entwickelst. Du wirst dich unbeschwert wie ein Kind fühlen, und deine Kinder werden darauf reagieren. Sie werden erkennen, dass du sie so siehst, wie sie wirklich sind.

So wird, wenn wir von der bedingungslosen Liebe unserer Mutter Erde durchdrungen sind, unsere eigene Schuldlosigkeit und unser göttliches Licht, sowie die göttliche Gegenwart des Universums frei und ungehemmt durch uns hindurchfließen. Unsere wahre ungestüme Natur offenbart sich und wird frei sein, in einem Raum der bedingungslosen Liebe.

Bitte schreite behutsam um die Käfer auf dem Boden herum, genieße den Gesang der Vögel, würdige die Bestimmung aller Kreaturen, einschließlich der Ratten, Schlangen und Mücken. Zeige unbeschämt deine Dankbarkeit für die Lebensmittel, die du isst und die Luft, die du atmest. Kaue langsam, atme tief. Danke dem Wasser, wenn du davon trinkst oder dir deine Hände wäschst oder ein erfrischendes Bad nimmst. Lass es dir gut sein in dieser Verbindung mit der geliebten Mutter Erde und du wirst, ohne es zu merken, anderen ein Beispiel sein, damit sie das gleiche tun.

Wir werden zu liebevollen Betreuern unserer schönen Erde. Es ist Sehnsucht und Zweck unserer Seele, dies zu tun. Lassen wir die Erde jenen magischen Ort sein, der sie in Wirklichkeit ist. Und wenn wir dies tun, werden wir entdecken, wie auch unser Leben von Magie getragen wird.

Die Veränderung geschieht behutsam, Schritt für Schritt, Moment für Moment, einen Tag nach dem anderen. Es ist ein Weg, diese Verbindung herzustellen. Sei geduldig mit dir, wenn du das Gefühl hast, dass nicht alles schnell genug geht oder wenn du das Gefühl bekommen solltest, dass deine Arbeit nicht gut genug ist, um ein wertvoller Verwalter der Erde zu sein. Die Natur kennt dein Herz. Wir alle gelangen dahin. Wenn wir offen bleiben für Verbesserungen, werden die Änderungen geschehen. Unsere Erde wird in guten Händen sein und unser Leben erblühen.

Nimm dir für die Jahreszeit die passenden Klamotten und geh los!
Ich wünsche dir eine wundervolle Reise…